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Porzellan des Abends

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Und wie bestürzt ist eins, das fliegen muss
und stammt aus einem Schoß. Wie vor sich selbst
erschreckt, durchzuckts die Luft, wie wenn ein Sprung
durch eine Tasse geht. So reißt die Spur
der Fledermaus durchs Porzellan des Abends

(Achte Elegie, 61 – 65)

In Porzellan des Abends suche ich nach Möglichkeiten, Verknüpfungen zu machen wo augenscheinlich keine sind. Ich lasse mich durch klare Bilder aus Rilkes Elegien und Libai´s 4 Zeiler inspirieren und entwickle mit neuen und virtuellen Mitteln (3d grafik, video, perf./inszenierungen) eine poetische Video-Installation. Eine Böcklin/Rilkeartige Ruinenlandschaft baut sich langsam um zu einer Shanshuilandschaft (shan:berg, shui: Wasser) und zurück.

Der Schöpfung immer zugewendet, sehn
wir nur auf ihr die Spiegelung des Frei'n,
von uns verdunkelt. Oder daß ein Tier,
ein stummes, aufschaut, ruhig durch uns durch.
Dieses heißt Schicksal: gegenüber sein
und nichts als das und immer gegenüber.

(Achte Elegie, 29-34)

Wir Kunstschaffenden hier im Abendland fühlen sich Gegenüber die Kunst. Wir können -, sowie man während ein schöne Wanderung an einem Panoramapunkt die Natur einblicken kann, verfremdend staunen und dadurch "Schönheit" oder "Erhabenheit" oder "Zauber" oder "Wärme"... spüren,- die Kunstgeschichte durchwandern, studieren und schöne, spannende,... Kunstwerke schaffen. Aber wir fühlen uns fremd in der Kunstwelt und wollen auch immer origineller, verfremdender wirken. Wir befinden uns nicht im Einklang, sondern Gegenüber.

Für mich persönlich wird dieses "Gegenübersein" am besten durch Rainer Maria Rilke in seiner Duineser Elegien beschrieben.  Neun Elegien lang kreist er diese Idee aus der natur ausgeschlossenheit, der Gegenübersein ein. In der Zehnte gibt es eine Wendung.Suchend nach eine Antwort was Bestand hat, kommt er in der zehnten Elegie zu einer spirituellen Lösung, eine Sorte Mystik ohne Gott: man soll sich nicht andauernd mit unwichtiges (Geld, Sucht,...) zerstreuen, sondern nach einem Sinn des Lebens suchen, sich dem Leid stellen, seinen eigenen Schattenseiten, dem Sterbenden annehmen... Man kehrt sich nach Innen, besinnt sich und nimmt seine Verantwortung auf für das Aussen, die Anderen. Man tauscht das kurze Glück gegen die andauernde Freude. (Wer durch das Totenland hindurch geht, so scheint der Text zu bedeuten, gelangt an die Quelle der Freude im eigenen Innern. Mit dieser Entdeckung im Herzen, kann der Wanderer oder Pilger ins Leben zurückkehren und die Freude wird ihm nicht mehr ausgehen.

Man denkt schon fast an Zhuangzi dabei!